Die Kniebeuge und die Hüfte

Dieses Thema im Forum "Kraftsport" wurde erstellt von Ottomane, 22. Okt. 2015.

  1. Ottomane

    Ottomane Moderator Moderator*in

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    Ich versuch mich mal an einem Qualitätsbeitrag:

    Wie man an den Fotos in diesem Artikel schön sehen kann, gibt es erhebliche anatomische Unterschiede im Hüftgelenk und zwar bei den Knochen ("you can't flex bones"): http://themovementfix.com/the-best-kept-secret-why-people-have-to-squat-differently/

    Kernbilder:

    [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Besonders beim letzten Bild sollte man das Augenmerk auf die Gelenkspfannen für den Oberschenkelknochen legen: Unterschiedliche Tiefe, unterschiedliche Höhe und unterschiedlicher Winkel.
    Je nach Kombination mit dem Oberschenkelknochen hat man von viel bis wenig Luft für verschiedene Bewegungsrichtungen. Jemand mit sehr waagerechtem Oberschenkelkopf und tiefer Gelenkspfanne an der Hüfte kann schlicht nicht "ass-to-grass" Beugen, ohne dass sich an der Hüfte etwas zu sehr zusammendrückt und der Körper nur noch mit "butt wink" weitere ROM in die Tiefer der Kniebeuge hat. Dehnen ist hier überwiegend nutzlos und zwanghaftes Tiefbeugen schädigt die Hüfte und den untere Rücken.

    Weitere Illustration aus diesem Artikel zum Thema Hüfte und Kreuzheben: http://www.strengtheory.com/should-you-deadlift-conventional-or-sumo/

    [​IMG]

    Mit der Hüfte tiefer als das Kniegelenk beugen kann jeder, aber der weitere Weg danach ist für verschiedene Leute unterschiedlich tief.

    Auch die Standbreite kommt hier ins Spiel. Personen mit tiefen Gelenkspfannen, die nach vorne gerichtet sind, werden mit breitem Stand keinen Spass oder Erfolg haben, während Beugen mit etwas engerem Stand vorteilhafter sind. Analog haben Personen mit auch tiefen Gelenkspfannen aber seitlicher Ausrichtung mit breitem Stand mehr Erfolg, weil hier auch die Muskeln in der Regel keine tiefe Beuge zulassen und Oberschenkelknochen und Hüfte weit genug von einander weg bleiben am unteren Ende der ROM.
    Deshalb beugt nach Eigenaussage Chris Duffin weit und kommt gerade so unter parallel.

    Anschauliches Video von Stuart McGill:



    Die Kernaussage ist: Tiefenfetischismus ist deplaziert. Mit der Hüfte tiefer als die Knie beugen kann jeder, aber alles danach sollte man im Auge behalten um spätere Beschwerden zu vermeiden und den Butt Wink minimal zu halten. Ausgeprägter Butt Wink ist stark induziert für Wirbelsäulenbeschwerden und -schäden. Experimentieren mit Standbreite und Fußausrichtung ist angeraten.


    Anmerkung:
    Dieser Beitrag wird des öfteren überarbeitet und aktualisiert werden. Die Hüfte ist das wichtigste Gelenk für die Kniebeugen und hier steht und fällt quasi alles, weshalb mehr und bessere Infos wohl nicht schaden können :wink: nur fehlt mir gerade etwas die Zeit ...
     
    #1
    Zuletzt bearbeitet: 31. Okt. 2015
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  2. illith

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    gibts denn eine möglichkeit, ohne röntgenbild herauszufinden, ob jemand einfach nur verkürzt ist oder tatsächlich knöcherne limitation vorliegt?
    mein bruder hatte zb auch immer probleme beim kickboxen, weil er das bein seitlich nicht (sehr) hoch bekommt - wenn er nicht dran gedacht hat, ist das jedesmal sehr schmerzhaft für ihn ausgegangen (also im hüftgelenk). das wird ja vermutlich der gleiche punkt sein...
     
    #2
  3. Ottomane

    Ottomane Moderator Moderator*in

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    Es geht hier explizit um die Kniebeuge. Für Sachen wie Kicks, Spagat und co. sieht es deutlich anders aus, weil hier der Oberschenkelknochen entsprechend zur Hüfte rotieren kann.

    Im ersten verlinkten Artikel ist auch ein kurzes Video über einen "Quick Check". Das sieht simpel aus, ist aber kompliziert und es wird auch öfter erwähnt, dass man nur Indizien sieht und keine Eindeutigkeiten.

    Andere anatomische Sachen wie genauer Verlauf von Blutgefäßen, Nerven, Bändern und Sehnen und allgemein Verlauf der Muskelstränge bedingt durch abweichende Ansatzpositionen können auch reinspielen.

    Von daher: Keine Ahnung.
     
    #3
  4. illith

    illith Administrator Admin Moderator*in

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  5. Phoenix

    Phoenix

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    Coxa vara und Coxa valga sind Hüftdysplasien, die auch zur Arthrose prädestinieren. Der projizierte CCD-Winkel variiert natürlich schon etwas, aber das oben abgebildete sind schon krasse Winkelverhältnisse.

    Was das seitlichen Kicken beim Kampfsport betrifft, kommen dann u. U. Dinge wie Pincer- und Cam-Impingement ins Spiel, die eben Schmerzen bei der Hüftabduktion machen.
     
    #5
  6. illith

    illith Administrator Admin Moderator*in

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    da sind ein paar worte in dem post, die ich kenne... :biggrin:
     
    #6
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  7. Ottomane

    Ottomane Moderator Moderator*in

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    Extrembeispiele sind anschaulicher :wink:
     
    #7
  8. Katea

    Katea

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    Ich greif das hier mal auf. Ich hab eine Coxa Valga Hüfte und bin mir etwas unsicher, ob Kniebeugen das schlimmer machen. Ich habe zwar keine Schmerzen, jedoch bekomme ich die echt nicht gut hin. Beinpresse ist kein Problem. Es liegt also nicht an dem Muskeln.
    Kennt jemand einen guten Sportmediziner im Ruhrgebiet, der mir was dazu sagen könnte?
    Solange experimentiere ich dann mal mit der Standweite.
     
    #8
  9. dness

    dness

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    Ich habe mal versucht breiter zu beugen als hüftbreit (wie es einige Wettkampfpowerlifter machen) da meine Beine sehr lang sind und ich mir so einen kürzeren Weg erhofft habe. Aber nach der ersten Einheit hatte ich über den Tag sowie nächsten verteilt ab und recht starkes Stechen in der inneren Hüfte (Nähe Gelenk) wenn ich gelegen habe oder mich beim gehen umgedreht habe. Seitdem beuge ich nun wieder eng. Denke mal auch, dass es bei mir leider mit der Anatomie zu tun hat.
     
    #9
  10. Ottomane

    Ottomane Moderator Moderator*in

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    #10
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