Antiveganer Udo Pollmer - jetzt müssen die Wühlmäuse herhalten

Dieses Thema im Forum "Theorie und Diskussion" wurde erstellt von gorilla, 22. Juli 2016.

  1. gorilla

    gorilla

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    Ich hatte das Thema schon in einem anderen Thread, müsste jetzt aber ein Beitrag zum Thema verfassen, ich hoffe es interessiert.

    https://veganmed.blogspot.com

    Antiveganer Udo Pollmer - von Killerphrasen & Wühlmäusen

    Diese Woche kam im öffentlich-rechtlichen Programm die Sendung "Das Experiment Vegan gegen Fleisch - die WG"[1].
    Hier mussten drei Veganer und drei Fleischesser zwangsweise eine WG bilden. Eine recht interessante Sendung.
    Leider wurde auch Udo Pollmer als "Experte" eingeladen. Wer Udo Pollmer nicht kennt, hier eine kurze Bekanntmachung.
    Pollmer ist Lebensmittelchemiker, selbsternannter Ernährungsexperte und Kampfrhetoriker.
    Er fühlt sich befähigt über gesunde Ernährung und Diäten zu schreiben, ist aber selbst übergewichtig und behauptet, dass übergewichte Menschen länger leben.
    Fehlendes Hintergrundwissen weiß er geschickt durch Killerphrasen auszugleichen.
    Hans Hauner, Professor und Leiter der Klinik für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, kritisiert Pollmers Statements als "plakativ und medienwirksam":

    "Auch die These, dass schlanke Menschen früher sterben als Dicke, sei Humbug. Zwar gibt Pollmer Studien an, die seine Behauptungen belegen sollen. Laut Hauner ist der Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Körpergewicht allerdings zu kompliziert für eine solch einfache These. (...) Tatsächlich zeige die Datenlage, dass gesunde Menschen im Bereich des Normalgewichts (BMI zwischen 18,5 und 25) die längste Lebenserwartung hätten."[2]

    Zurück zu Pollmers Auftritt in der Sendung.
    Relativ schnell, nach kurzer Begrüßung, "knallt" Pollmer mit dem Roh-Veganer Patrick zusammen.
    Pollmer behauptet:

    "Für veganes Gemüse, Getreide und Flocken müssen jede Menge Tiere getötet werden".
    "Bei der Ernte werden automatisch die Mäuse getötet. Wenn man mit dem Flug über den Acker fährt, ist es das Ziel die Wühlmäusepopulation zu vernichten".
    "Veganer lassen jede Menge Tiere töten, beschimpfen Andere aber als Mörder"

    Richtig ist, dass die großen Erntemaschinen in der Landwirtschaft Wildtiere töten. Schätzungen des Tierschutzbundes zufolge sterben jährlich 500.000 Wildtiere (darunter allein 100.000 Rehkitze).
    Allerdings ist es grotesk diesen Missstand den knapp 1 Millionen Veganern in Deutschland "in die Schuhe" schieben zu wollen. Lösungen wären reichlich vorhanden. Wildtierretter-Geräte die Wärmedetektoren, Mikrowellen- oder Infrarotsensoren nutzen. Vor dem Mähen können die Tiere durch Stangen mit flatternden Tüchern, Blinklampen, Luftballons und Windrädern gewarnt werden und mit akustische Signalen und Schallerzeugung vertrieben werden.
    Zudem können Förster und Naturschützer den Zeitpunkt der geplanten Ernte koordinieren bis die Jungtiere fluchtfähig sind. Das Absuchen der Fläche mit Jagdhunden und die Einstellung der Schnitthöhe sind weitere Maßnahmen um Wildtiere zu schützen. Hinzu kommt, dass in einer bioveganen Landwirtschaft wild lebende Tiere explizit erwünscht sind, da Bodentiere wie Wühlmäuse eine große Rolle für die Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit spielen. Auch kann der Einsatz von Rodentiziden ("Nagergifte") vermeiden werden.
    Die Vegansociety hat 1979 eine Definition festgelegt, was "vegan" bedeutet: "so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern".

    Veganismus bleibt die Kost die Tierleid effektiv reduziert, ohne wenn und aber.
    Tierprodukte sind immer doppelt am Tierleid beteiligt. Gewinnung der Futtermittel und direkte Tötung der Tiere für Fleisch. Selbst im besten Biobetrieb wird ganz jährlich mit Mais und Silage ergänzt. Zusätzlich wird Biokraftfutter (aus Getreide, Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen, Sojabohnen, Ölkuchen) verwendet. Das Tiere das ganze Jahr auf der Weide stehen und Gras essen ist, für deutsche Produkte, verträumte Lagerfeuerromantik.
    Wer also Tierleid reduzieren will greift direkt zu pflanzlichen Produkten.
    Je mehr Leute vegan leben und je mehr Leute Tierrechte bei den Lebensmittelherstellern einfordern, umso mehr Wildtiere können geschützt werden. Wenn aber weiterhin gedankenloser Konsum und eine "Geiz ist Super"-Mentalität (sprich purer Egoismus) die Oberhand hat, wird sich nichts ändern.
    Ich bin mir sicher, dass Veganer gerne bereit sind etwas mehr Geld für ein Produkt auszugeben, bei dem Wildtiertötungen verhindert und unterbunden werden (Wer bereit ist knapp 3 Euro für einen Pflanzendrink zu bezahlen, wohingegen ein Liter subventionierte Kuhmilch nur 0,42 Euro kostet, der zahlt auch etwas mehr für tierleidfreies Brot).
    Zurück zur Sendung. Patrick der Veganer kontert sehr gut und sagt:" Dann wäre es doch besser die Pflanzen direkt zu essen, als den Tiere zu füttern".
    Darauf Pollmer sichtlich emotional aufgebracht "kontert" mit einer Killerphrase:

    "Das Problem ist, dass wir Menschen sind und jedes Lebewesen braucht etwas zum essen und das sind in der Regel andere Lebewesen"

    Die Sprecherin der Sendung unterstreicht diese Peinlichkeit noch und verkündet:

    "Ein Lebensmittelchemiker und Ernährungsexperte der den Veganern zu richtig einen mitgibt.

    Achso: Das Problem ist, das wir Menschen sind. Gut erkannt Herr Pollmer. Das Problem ist aber, dass wir egoistische Menschen sind und 99% der Menschen in Deutschland sich nicht für Tierleid interessieren, sonst würden sie vegan leben. Und von den 80 Millionen Menschen interessiert sich kaum einer für getötete Wildtiere. Die Hersteller richten sich nach Angebot und Nachfrage. Aber natürlich ist das "Wildtier-Argument" ein tolles Argument, überhaupt nicht zu machen und weiterhin seinen egoistischen, kulinarischen Freuden zu frönen.

    Fazit: Viele vegane Produkte sind mit Leid (auch Menschenleid) verbunden. Mögen wir mehr Transparenz erhalten und die Hersteller veranlassen tierleidfreie Produkte herzustellen ("Geld regiert die Welt"). Aber das funktioniert nur, wenn immer mehr Menschen vegan leben und unsere Forderungen, die Lebensmittelhersteller zwingen, Tierleid zu vermeiden.

    Go vegan!


    [1] http://www.ardmediathek.de/radio/WD...en/Video?bcastId=18198186&documentId=36672970[http://www.ardmediathek.de/radio/WD...n/Video?bcastId=18198186&documentId=36672970]

    [2] http://www.t-online.de/lifestyle/ge...ueher-these-von-pollmer-im-expertencheck.html

    [3] http://www.tierschutzbund.de/inform...ildtiere/ernte-als-gefahr-fuer-wildtiere.html

    [4] https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/bioveganer-landbau/
     
    #1
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2019
  2. illith

    illith Administrator Admin Moderator*in

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    einige gute punkte drin :thumbsup:
    aber die aussage - das ("effektiv") gilt doch aber bestenfalls ab einer gewissen kritischen masse, wenn tatsächlich aufgrund der deutlich gesenkten nachfrage die produktionen zurückgefahren werden...?
     
    #2
  3. gorilla

    gorilla

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    Ich denke es ist unmöglich eine messbare Grösse zu erhalten. Wie will man Tierleid messen? 1 kg Rindfleisch hat 11.374 CO2-Äquivalente in Gramm, 1 kg frische Kartoffeln nur 138 CO2 in Gramm. Faktor 82.
    Hier hängt auch Tierleid dran. Jedes Sechste Tier soll vom Klimawandel betroffen sein. Aber auch ohne wissenschaftliche Daten liegt es auf der Hand, dass 1kg Kartoffeln weniger Tierleid erzeugen als 1 kg Rindfleisch.
    Natürlich kann man auch die Kalorien vergleichen, dann müsste man 1kg Steak 1600 kcal mit 2kg Kartoffel 1600 kcal vergleichen inkl. 11374 CO2 vs. 276 CO2.
     
    #3
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2016
  4. Holger

    Holger Moderator Moderator*in

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    Pollmer mal ganz grob zusammengefasst:

    pyramide.jpg
     
    #4